24.10. 2019 Memoria en movimiento. Ein Austausch zur Erinnerungsarbeit in Chile. Offene Debatte, Berlin

2020 jährt sich zum 50. Mal die Wahl Salvador Allendes vom linken Bündnis der Unidad Popular zum Präsidenten Chiles. Sein Amtsantritt war zugleich der Beginn eines Weges, der das Land in den demokratischen Sozialismus führen sollte. Doch der gesellschaftliche Aufbruch wurde nach nur 1000 Tagen von einem Militärputsch brutal gestoppt.

Was bleibt vom Chile der Unidad Popular? Wie und was sollten wir im kommenden Jahr erinnern? Welche gesellschaftlichen Projekte jener Zeit sind aktuell geblieben? Welche Impulse für die politische Arbeit können heutige soziale Bewegungen mitnehmen?

In einer offenen Diskussion mit dem Publikum suchen in Berlin lebende Chilenen*innen, Mitwirkende des Kulturvereins Gabriela Mistral e.V. und des Rechercheprojekts Allendes Internationale nach Antworten und Ideen für eine aktive Erinnerungsarbeit – und eine internationalistische Zukunft.

Galerie Olga Benario
Richardstraße 104
12043 Berlin-Neukölln

24.10. 2019 | 19:30 – 22:00

26.09. 2019. Internacionalist@s. 3 politische Biografien aus dem Chile Allendes. Filmabend und Debatte, Berlin.

Das Rechercheprojekt „Allendes Internationale“ dokumentiert seit 2017 internationalistische Lebensläufe aus dem Chile der Unidad Popular. In kurzen filmischen Biographien werden an diesem Filmabend drei dieser Protagonist*innen vorgestellt: eine engagierte Pädagogin aus Deutschland, ein Befreiungstheologe aus Belgien und ein anarchistischer Zeitungsverleger aus Spanien.

In den Biografien spiegelt sich die politische Vielfalt dieser Tage wieder. Selten finden sich gerade Lebenslinien, sondern meist Wollknäuele aus Überzeugungen, Zufällen, Gefühlen und Widersprüchen. Es sind Zeugnisse einer bewegten Epoche, die das historische Blickfeld erweitern und ein kritisches Korrektiv all zu kausalen Deutungsmuster liefern.]

Galerie Olga Benario
Richardstraße 104
12043 Berlin-Neukölln

26.9. 2019 | 19:30 – 22:00

19.09. 2019. Así se escribió Texte aus dem Chile der Unidad Popular. Lesung, Berlin

Die Erfahrungen der 1000-tägigen Regierungszeit der Unidad Popular wurden von der chilenischen und internationalen Presse (4. Sep. 1970 – 11. Sep. 1973) ausführlich dokumentiert. Weniger bekannt sind dagegen andere Textsorten, die von Chilen*innen und Internationalist*innen in dieser Zeit produziert wurden: Geschichten, Chroniken, Autobiographien, Gedichte. Einige Schriften wurden veröffentlicht und erreichten eine große Leser*innenschaft. Andere haben bis heute in Schubladen oder Tagebüchern geschlafen…

Wir laden alle Interessierten ein, an unserem literarischen Experiment teilzunehmen. An zwei Nachmittagen (4. und 11. September) wollen wir gemeinsam mit Euch in unterschiedlichsten Publikationen stöbern, Autor*innen kennenlernen und wiederentdecken. Wir suchen Fragmente dieser Werke aus, die neue Zugänge zu den Erfahrungen der Unidad Popular öffnen.

Mit allen Teilnehmenden werden wir diese Texte am 19. September in einer Literatenrunde in der Galerie Olga Benario präsentieren.

Literaturworkshops

4.9 und 11.9. 2019 | 17:00 – 19:00
Gabriela Mistral e.V. Kulturelle Vereinigung
Petersburger Str. 92
10247 Berlin–Friedrichshain

Öffentliche Lesung

19.9. 2019 | 19:30 – 22:00
Galerie Olga Benario
Richardstraße 104
12043 Berlin-Neukölln

12.9. 2019. Politik am Bau Die wechselhafte Geschichte des Kulturzentrums Gabriela Mistral (Santiago, Chile). Ausstellung, Berlin.

Bis heute gibt es Spuren des 1000 Tage währenden demokratischen Sozialismus in Chile. Direkt im Zentrum Santiagos findet sich ein mehr als 20.000 Quadratmeter großer Fußabdruck: das Kulturzentrum Gabriela Mistral (GAM).

Doch nur wenige kennen die knapp 50-jährige Geschichte des Gebäudes. Sie ist wie ein Brennglas des gesellschaftlichen und politischen Wandels in Chile und schreibt sich auch im Jahr 2019 fort.

Errichtet wurde der Komplex in weniger als einem Jahr, unter Beteiligung Tausender Freiwilliger, für eine UN-Konferenz im Jahr 1972. Das Chile Salvador Allendes begrüßte die Welt. Danach war der Bau ein Fixpunkt des urbanen und politischen Lebens, beherbergte Konzerträume, Ministerien und ein großes subventioniertes Restaurant. Nur 17 Monate später beendete ein Militärputsch das bunte Miteinander: die Militärjunta wählte das Gebäude als Regierungssitz und plünderte die von namhaften Künstler*innen gestifteten Werke. Nach Ende der militärisch-zivilen Diktatur diente das Gebäude als Verwaltungssitz. Im Jahr 2005 zerstörte ein Brand große Teile des Baus; Forderungen nach einem Abriss wurden laut. 2007 entschied sich die Regierung für einen Wiederaufbau, als einen offenen Ort kultureller Begegnungen. Und dennoch bleibt das GAM bis heute ein umkämpfter Raum, in dem nicht nur um Erinnerung gerungen wird, sondern auch um mehr kulturelle und politische Teilhabe.

Die Ausstellung „Politik am Bau“ sucht unter dem rostbraunen Cortenstahl der Fassade nach den sozialen Sedimenten der vergangenen fünf Jahrzehnte.

Eine Videoinstallation verwebt die Erinnerungen von Zeitzeug*innen der Unidad Popular zu einem vielstimmigen Narrativ. Wie erlebte Chile Anfang der 1970er Jahre den Bau eines neuen architektonischen Wahrzeichens? Welche persönlichen Erlebnisse verbinden die Menschen mit diesem Ort? Was bleibt? Was kommt?

Ein Zeitstrahl aus Texten und Fotos schlägt den Bogen zur Gegenwart. Von der Grundsteinlegung bis zu aktuellen Nutzungskonflikten des GAMs verbinden sich historische Momente und weniger bekannte Episoden zu einer Chronologie der Widersprüche.

Ein Guckkasten lässt die verlorenen Objekte des GAM als Phantasmen auferstehen: viele zu Zeiten der Diktatur geraubte Kunstwerke bleiben bis heute verschwunden. Von ihnen gibt es nur Fotos, die den Besucher*innen nun als holographische Projektionen wieder begegnen.

Die Ausstellung wird eröffnet am Donnerstag, 12. September um 19:30, mit einer
Einführung in die Ausstellung, einer offenen Debatte und einem musikalisch-filmischem Begleitprogramm

Galerie Olga Benario
Richardstraße 104, 12043 Berlin – Neukölln
Tel. 030 68059387

Do-Sa 15-19 Uhr und nach vorheriger Absprache unter unidadpopular@npla.de

7.9. 2019. „Jedes Leben ist eine Welt” Eine filmische Biographie von Víctor Pey. Filmvorführung, Santiago.

1939 entkommt Victor Pey dem Faschismus: Das von der chilenischen Regierung organisierte Frachtschiff Winnipeg bringt mehr als 2000 spanische Flüchtlinge von Frankreich nach Chile. Hier macht der junge Ingenieur auch seine ersten Schritte als Journalist. Während die Unidad Popular (1970-1973) regiert, kauft Pey die Zeitung El Clarín und schafft es, die Hegemonie der rechten Meinungsmonopols zu brechen. Mit dem Militärputsch von 1973 wurde die Redaktion beschlagnahmt und in ein Folterzentrum umgewandelt. Pey träumte stets davon, El Clarín wieder zu eröffnen, und bis zu seinem Tod kämpfte er um eine Entschädigung und die Rückgabe des Redaktionsgebäudes – vergeblich.

Das Forschungsprojekt „La Internacional de Allende“ interviewte Victor Pey 2017. Aus dem Material aus öffentlichen und privaten Archiven entstand die Kurzfilmbiographie eines langen Lebens, das immer am politischen Puls der Zeit war.

5.9. 2019. 1000 Tage | 6 Blicke. Fotografien aus dem Chile der Unidad Popular. Ausstellung, Berlin

Chile im September 1970. Das Land ist in Aufbruchstimmung. Gerade hat Salvador Allende die Wahlen gewonnen. Das linke Regierungsbündnis der Unidad Popular verspricht nicht weniger als den Beginn eines neuen Chiles: gutes Leben für alle, Gleichheit, Gerechtigkeit und Spaß dabei. Viele Menschen leben mit Hingabe diese Vision eines demokratischen Sozialismus – ihr gemeinsamer Weg dauert 1000 Tage.

Chilenische und internationale Fotograf*innen hielten diese Euphorie in Bildern fest. Sie dokumentierten Demonstrationen, Konzerte, Ferienkolonien, porträtierten aber auch das alltägliche Leben auf der Straße, in Armenvierteln, und Parks.

Die Ausstellung des Rechercheprojekts „Allendes Internationale“, kuratiert von Anna Susi und Pamela Cuadros, zeigt eine Auswahl dieser Momente, aufgenommen durch die Linsen von Leonore Mau, John M. Hall, Karl Jagare, Luis Poirot, Marcelo Montealegre und Silvio Tendler.

Die Fotoschau wird eröffnet am Donnerstag, 5. September um 17:30 Uhr, unter Anwesenheit zwei beteiligter Fotografen und mit einem musikalisch-filmischen Programm.

Begleitend zur Ausstellung findet am Samstag, 21. September von 10 bis 14 Uhr der Workshop „Politische blueprints. Ein Einführungskurs in das fotografische Druckverfahren der Cianotypie“ für die künstlerische und politische Arbeit statt. Die Teilnahme ist kostenfrei aber begrenzt. Mindestalter: 16 Jahre. Um eine vorherige Anmeldung unter unidadpopular@npla.de bis zum 14. September wird gebeten.

Bezirkszentralbibliothek Pablo-Neruda-Bibliothek
Frankfurter Allee 14 A 10247 Berlin – Friedrichshain

Mo-Do 10-19 Uhr; Fr 10-17 Uhr, Sa 11-16 Uhr

30.5. 2019. Valparaiso 1970-2030. Interventionen aus der Zukunft. Theater-Versammlung, Valparaiso

Valparaiso „ist so fesselnd wie der Hunger“, sagte einst der Sänger „El Gitano Rodríguez“. Auch uns fesselten die Begegnungen in der Hafenstadt. Im Theatersaal des ehemaligen Gefängnisses trafen freundschaftliche Gesten, auf politische Forderungen, vermischten sich in leidenschaftlichen Debatten feministische, libertäre und jugendliche Stimmen. Sie alle sind wichtig, um zu erinnern – und werden doch zu selten gehört.

Auf der Bühne saßen diesmal Yasna Amarales, Peter Lehmann, María José Larrondo und Alejandro „Mono” González, der auch das Transparent für die Versammlung malte. Danke nochmals an alle Beteiligten!

Aus dem Publikum meldete sich in Valparaiso auch die Viernes Por el Futuro Generation zu Wort und forderte von den regierenden Politiker*innen mehr Mitsprache ein, und zwar nicht erst in der nahen Zukunft, sondern sofort!

27.4. 2019. Lasst uns Geschichte machen! Eine Debatte über den Internationalismus der Unidad Popular. Podiumsdiskussion, Santiago

Lasst und Geschichte machen! Eine Debatte über die internationale Dimension der Unidad Popular. (Podiumsdiskussion, Corporación Cultural de Recoleta, Santiago, 27.04.19)

Allendes Internationale will die Geschichte und Geschichten der Unidad Popular auch aus der Perspektive ärmer Vierteln, in barrios, poblaciones und urbanen Landbesetzungen erkunden. Recoleta im Norden Santiagos ist eine dieser Gegenden. Die Einladung der dortigen offenen Universität (UAR) und des Kulturzentrums (CCR) war deshalb eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen.

Mit unseren Gästen Martha Elba López, Leonardo Céspedes und Víctor Klagsbrunn versuchten wir jenes chilenische Erinnerungsritual aufzubrechen, bei dem jeder Blick zurück zwangsläufig schmerzhaft seien muss. Im Theatersaal des CCR war davon jedenfalls wenig zu hören, dafür Erzählungen über Kino, Fabrikarbeiter, Guerillas und persönliche Erlebnisse von Menschen aus ganz Lateinamerika zu Beginn der 1970er. Auch das Publikum wurde aktiv und forderte, diese translokale Geschichte weiter zu erforschen.

26.4. 2019. Santiago 1970-2030. Interventionen aus der Zukunft. Theater-Versammlung,Santiago

Eran las 18.45 y sonaba la canción Popcorn de Gershon Kinglsey, cuando la gente comenzó a llenar la sala. Con su tono lúdico y psyco-activo este tema, muy escuchado durante la UP, dio la entrada a nuestro experimento teatral de viajar restrospectivamente al futuro. Lxs participantes de la mesa, las actrices y actores, el público se enredaron en una historia común llena de recuerdos, imágenes y proyecciones. Fue una noche conmovedora para todxs y al final quedó claro: en Chile hay una necesidad de manifestarse, decir, hablar, gritar, reclamar, responder.

Todo esto no habría sido posible sin nuestrxs distinguidxs invitadxs: Miguel Lawner, Geanina Zagal, Víctor Klagsbrunn y Marcelo del Campo. Gracias a ellxs y a todxs las compañerxs que participaron desde el público.

Aquí les dejamos un adelanto del registro del evento en el GAM, que pronto subiremos en nuestro sitio web.

6.9. 2018. „Gemeinsam für ein neues Chile.” Auftaktveranstaltung von Allendes Internationale, Berlin.

Am 6. September präsentierte sich das Rechercheprojekt Allendes Internationale erstmals der Öffentlichkeit. Hinter dem Namen versteckt sich die Idee, einen neuen Blick die Geschichte des Internationalismus zu werfen: Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Aktivist*innen und weitere Zeitzeugen teilen ihre Erinnerungen und analysieren gemeinsam ihre Erfahrungen während der Unidad Popular (UP), jenem revolutionären Transformationsprozess der Chile von 1970 bis 1973 prägte.

Während unser Team die Gespräche mit Zeitzeugen gewöhnlich im Privaten führt und aufzeichnet, stand an diesem Abend ein direkter Austausch im Vordergrund. Um im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin den internationalistischen Geist jener Tage hörbar zu machen, begann die Veranstaltung mit einer Auswahl lateinamerikanischer Lieder des 20. Jahrhunderts, interpretiert vom Berliner Chor Contrapunto und ihrer Leiterin Catalina Restrepo.

Die Zeilen des bekannten Lieds „Cambia, todo cambia“ schrieb der Chilene Julio Numhausers bereits nach dem Militärputsch 1973 im schwedischen Exil – ein emotionaler Blick zurück auf die 1000 Tage demokratischen Sozialismus:

Was sich nicht ändert, ist meine Liebe, Wie fern auch immer ich sein mag, Auch nicht das Andenken und der Schmerz den ich mit meinem Volk, meinen Leuten empfinde.

Auch unter den etwa 150 Gästen im Publikum waren zahlreiche Menschen, die sich der Geschichte der UP nicht mit dem Mikrofon nähern müssen. Sie haben diese Zeit selbst erlebt. Ihnen war es ein Leichtes mitzusingen. Für alle anderen verspricht das Projekt einen „Zugang zu kritischer Geschichtsarbeit“, wie Birte Keller von der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) bei der Begrüßung betonte. In Kooperation mit dem Nachrichtenpool Lateinamerika e.V. (NPLA) unterstützt die RLS das Rechercheprojekt und erhofft sich von den Aktivitäten und Veröffentlichungen bis Mai 2020 auch Antworten auf die Frage “wie internationale Solidarität heute gelebt werden kann.”

Dem NPLA, der seit mehr als 15 Jahren vielfältige “Stimmen aus Lateinamerika” in Nachrichten und Radiosendungen für ein deutschsprachiges Publikum hörbar macht, ist ebenso die „aktuellen Komponente“ von Allendes Internationale wichtig. Auch heute stünden wir vor der Aufgabe „freie und demokratische Gesellschaft zu denken“, sagt Ute Löhning vom NPLA und findet, dass die Unidad Popular dafür weiterhin „einige spannende Visionen“ bereit hält.

Was genau das Publikum und die Nutzer*innen der Website internationalallende.org in den nächsten Monaten erwarten können, und warum es wichtig ist auch die Lebenswege von eher unbekannten Protagonist*innen auszuleuchten, darüber informierte Álvaro Garreaud, einer der Projektautoren. Für ihn haben die Zeiten der Unidad Popular zudem einen sehr persönlichen Bezug:

Während Fidel Castro und andere internationale Größen Chile als Bühne nutzten, kamen andere, um längerfristig die gesellschaftlichen Veränderungen mitzugestalten. Dazu gehörten auch die vier Gäste an diesem Abend: Klarita Müller-Plantenberg, Urs Müller- Plantenberg, Michèle Mattelart und Armand Mattelart. Sie alle kamen als junge Wissenschaftler*innen noch vor dem Wahlsieg Salvador Allendes nach Chile, aus Gründen, in denen sich politische und private Interessen mit einer Priese Zufall kreuzten. Nils Brock, Projektkoordinator von “Allendes Internationale” moderierte die Gesprächsrunde.

In den Erzählungen von Michèle Mattelart wurde schnell deutlich, dass der soziale Wandel schon lange vor der Wahl Salvador Allendes zum Präsidenten begann – so zum Beispiel während der Studierendenproteste an der Katholischen Universität von Santiago im Jahr 1967.

Michèle Mattelart | Auftaktveranstaltung/Lanzamiento, Berlin 2018 from International Allende on Vimeo.

Urs Müller-Plantenberg erinnerte sich im Gespräch an seinen zweiten Chile-Aufenthalt 1971 und beschwor noch einmal „die damalige Aufbruchstimmung“ herauf, zitierte aus Liedern im Radio die davon handelten, nicht nur den Präsidenten auszuwechseln, sondern gemeinsam ein neues Chile zu schaffen. Die ersten Jahre der UP, seien geprägt gewesen von einem Wirtschaftswachstum “und einer großen Euphorie”, mit der auch seine Forschungsgruppe im Studienzentrum der nationalen Realität (CEREN) sich intensiv beschäftigte.

Clarita Müller-Plantenberg berichtete später auch von Alltäglichem, den großen Demonstrationen zum Beispiel, an denen sie und ihre Kinder teilnahmen. Und sie erinnert sich an die gelebte Solidarität in Zeiten von Nahrungsknappheit und eines “sich zuspitzenden Klassenkampfs”

Armand Mattelart, der zunächst als Demograf und später als Medienwissenschaftler in Chile tätig war, resümierte am Ende einer langen Debatte, dass die Zeit in Chile der beste Moment seines Lebens gewesen sei. Bis heute beeindrucke ihn, wie sich damals die Bevölkerung gemeinsam erhoben und wie die Erfahrung gemeinsamen Handelns ihr Denken nachhaltig verändert habe.

Nach der Gesprächsrunde auf dem Podium fehlte es nicht an weiteren Fragen und Argumenten aus dem Publikum – dafür leider an der Zeit, die Debatte weiter in großer Runde zu vertiefen. Auch die interaktive Installation memoria-máquina der Bühnenbildnerin Pamela Cuadros entdeckten an diesem Abend nur wenige. Untermalt vom politischen Soundtrack der Klangkünstlerin Veronica Mota nutzen viele Anwesende vielmehr die Gelegenheit, Gesprächsfäden in kleinen Gruppen weiterzuspinnen, mit Empanadas und Rotwein – ganz im Geiste der Unidad Popular.

Gesungen wurde zuvor noch einmal von jenem anderen Chile, das mehr war als ein Wechsel im Präsidentenamt…